Sachverständiger für Oldtimer
Werdegang zum Sachverständigen für Oldtimer
Avatarix: Wie wird man Sachverständiger für Oldtimer?
derOldtimer: Ich kann das natürlich nur für mich beantworten.
Die Kurzfassung lautet: leitende Tätigkeit in einem Autohaus, Maschinenbaustudium, Classic-Data-Vertragspartner nach 10 Jahren als Gutachter für Schäden und Bewertungen, Classic-Data zertifizierter Sachverständiger für Oldtimer seit über 20 Jahren, ständige Weiterbildung und Interesse am Thema Oldtimer.
Avatarix: Und wie sieht die Langfassung aus?
derOldtimer: Nun, Technik hat mich schon in jungen Jahren interessiert. Allerdings lernte ich schnell, dass es einen gewissen Sachverstand braucht. Ventileinstellschrauben am Viertakter zieht man nicht auf Block, und nach fest kommt ab. Am Anfang habe ich Learning by doing praktiziert.
Was das Schrauben betraf, nahm mich zu meinem Glück der Vater meiner damaligen Freundin, ein begnadeter Mechaniker und gelernter Metallflugzeugbauer, an die Hand.
Während meines Maschinenbaustudiums war ich auch zeitweilig in leitender Position in einem Autohaus tätig. Dort lernte ich die Tricks der Branche kennen.
Als Gutachter für Schäden und Bewertungen lernte ich glücklicherweise die richtigen Leute kennen. Der heutige Geschäftsführer, Martin Stromberg, holte mich 1998 zu Classic-Data. Ich lernte ihn in der Akademie des Handwerks zu Schloß Raesfeld kennen, als er noch als Chefsachverständiger für Classic-Data tätig war. Heute bin ich Classic-Data-zertifizierter Sachverständiger für klassische Fahrzeuge.
In der Akademie des Handwerks hat mir auch das Urgestein des Sachverständigenwesens, der leider schon verstorbene Hans Wagener, die silberne Weiterbildungsnadel für 10-jährige Fortbildung im Sachverständigenwesen verliehen.
Dort lernte ich auch den späteren Präsidenten des BVSK, Dirk Barfs, kennen. Von ihm bekam ich wertvolle Ratschläge und erinnere mich immer noch gerne an unsere gemeinsame Zeit.
Das gleiche gilt für den langjährigen Geschäftsführer des BVSK, Elmar Fuchs, der mir bis zu seinem plötzlichen Tod sogar aus dem Auto wertvolle Ratschläge per Telefon gab.
Überhaupt war in den Anfangsjahren regelmäßige Fortbildung notwendig,
- in der Akademie des Handwerks (teilweise in Zusammenarbeit mit dem BVSK),
- der Uni Köln,
- bei Schwacke
- den Landesgruppenveranstaltungen des BVSK,
- etc.
Später habe ich mir dann Fortbildungen ausgesucht, die meine Expertise in speziellen Gebieten förderten:
- mehrere Lackseminare (Classic Car Colors) in der Ausbildungswerkstatt von Glasurit (BASF Coatings) in Münster bei Jürgen Book
- Materialkunde und Schadbefundung an Verbrennungskraftmaschinen im Institut RISV bei Marc Rappen und Professor Dr.-Ing. Andreas Ibach (4 Tage)
- diverse Seminare zu Motorradreparaturen und Workshops zur Zweiradmotorenzerlegungen bei Ralf Petersen (er schrieb über viele Jahre die Schraubertipps in der Zeitschrift Motorrad)
- Historische Zweiräder bei Andy Schwietzer (Kurator im PS.Speicher in Einbeck)
- Seminare bei Classic-Data zu unterschiedlichen Oldtimerthemen mit Martin Stromberg und Marius Brune und bei Autorechtaktuell mit Elmar Fuchs
- Fortbildung zum Gerichtsgutachter durch die Handwerkskammer Dortmund
- etc.
Vorhandenes Equipment gibt mir die Möglichkeit
- die gemessenen Schichtdicken einer Lackierung dahingehend zu differenzieren, ob Spachtel oder Zinn (klassische Methode im Oldtimerbereich) zur Egalisierung der Karosserie verwendet wurde.
- Videos und Fotos aller Komponenten unter dem Auto (Unterbodenbereich) auch beim Kunden qualitativ hochwertig anzufertigen.
- Ankaufuntersuchungen, die ich für Oldtimerkäufer durchführe, per Livestream oder Videoaufzeichnung zur Verfügung zu stellen.
Durch die Anschaffung meines Büromobils (Mercedes Vito) mit vollwertigem Arbeitsplatz kann ich mittlerweile meine Dienstleistungen größtenteils ortsunabhängig auch beim Auftraggeber (Werkstatt, Händler, Oldtimerbesitzer, etc.) erbringen.
Durch entsprechende Kooperationen kann ich zusätzlich anbieten:
- Ölfilteruntersuchung mittels REM, die häufig bereits eine gerichtsfeste Ursachenermittlung für einen Motorschaden liefern. Dies ist eine, im Vergleich zur Zerlegung und Vermessung des Motors, deutlich kostengünstigere Methode.
- Bauteiluntersuchung im REM (Rasterelektronenmikroskop), z.B. ob ein Dauer- oder Gewaltbruch vorliegt.
- Lackschichtdickenmessung auf nichtmetallischen Verbund- und Kunststoffbauteilen wie CFK, GFK, etc.
Mittlerweile kann ich auf Veröffentlichungen und redaktionelle Mitarbeit bei diversen Medienthemen zurückblicken: (auszugsweise)
- Die Begutachtung und Bewertung eines Oldtimers (WAZ)
- Die Begutachtung und Bewertung eines modifizierten Youngtimers (Zeitschrift Motorrad)
- Die Entstehung eines Motorradtreffs (Zeitschrift Kurve)
- Informationen für Verkehrsunfallgeschädigte (Akademie des Handwerks)
Avatarix: Danke, das hört sich nach einem spannenden Beruf an.